Ute

8. Dezember 2020 um 12:27

Also ganz grundsätzlich: Wenn man ein Futter beurteilen möchte, dann schaut man sich zunächst die Zusammensetzung an. Erst einmal, was überhaupt drin ist und dann, in welcher Menge die Zutat enthalten ist. Denn nur wenn man alle Zutaten und Mengen kennt, kann man Aussagen dazu treffen, ob beispielsweise eine Bedarfsabdeckung einzelner essentieller Nährstoffe vorliegt.

Damit alle mitdenken können, um dieses Futter geht es:

Huhn 55 % (Hühnerfleisch 29 %, Hühnerherzen 16 %, Hühnerleber 10 %), Karotten 12 %, Kohlrabi 12 %, Birnen 7 %, Kartoffelstärke, Quinoa 2 %, Mineralstoffe, Sonnenblumenöl, Eierschalenpulver, Seealgen, Löwenzahnblätter, Brennnesselblätter, Ringelblumenblüten, Brunnenkresse

ZUSATZSTOFFE/KG: Vit. D3 229 IE, Zink (als Zinksulfat, Monohydrat) 20mg, Kupfer (als Kupfer-(II)-Sulfat, Pentahydrat) 1mg.

Verhältnis Fleisch : Gemüse/Obst : übrige Rohstoffe = 55 % : 34 % : 11 %

ANALYTISCHE BESTANDTEILE: Rohprotein 7,5 %, Rohfett 6 %, Rohasche 2,5 %, Rohfaser 1 %, Feuchtigkeit 78 %

Für mich persönlich wäre das Futter nicht so ganz stimmig. Zum einen, weil recht viel Herz und Leber enthalten ist, nicht nur in dieser Sorte. Beides sind günstige Zutaten. Wenn man beurteilen möchte, ob das “schlimm” ist, dann muss man sich immer fragen: Was liefert das dem Hund eigentlich? Warum genau ist das drin?
Herz liefert u.a. Taurin und Vitamin E, gehört zum Innereienanteil, auch wenn man von Herzmuskel spricht. Leber liefert Vitamin A, Kupfer und B-Vitamine, u.a. B12.
Der recht hohe Anteil richtet hier zwar keinen Schaden an, aber er dürfte dazu dienen, das Futter günstiger zu halten, indem man einen Teil des Muskelfleisches durch die billigeren Zutaten Herz und Leber ersetzt. Das wäre in Ordnung, so etwas findet man bei den meisten Nassfuttersorten, um sie bezahlbar zu halten. Überdosierung ist nicht zu befürchten: der Anteil an Fleischigem ist ja relativ gering, weswegen die Mengen an Leber und Herz bezogen auf die Gesamtfuttermenge gar nicht so hoch sind. Das sieht man beispielsweise auch daran, dass Kupfer noch einmal gesondert zugesetzt wird.

Dann sind zwei Zutaten drin, die Hunde nicht brauchen: Kartoffelstärke und Sonnenblumenöl. Kartoffelstärke festigt den Kot, Sonnenblumenöl wird meistens zugesetzt, um den Fettgehalt ein bißchen zu korrigieren und weil es günstiger ist als viele andere Öle. Auch nicht ideal, aber kein Beinbruch.

Was mich eher stören würde, sind die fehlenden Angaben zum Calcium- und Jodgehalt. Es ist Eierschale für Calcium drin und Seealge für die Jodabdeckung. Aber wieviel? Bei Calcium achten die meisten Hersteller auf ein halbwegs passendes Verhältnis, da könnte man gfls einfach drauf vertrauen, dass das passt. Aber ausrechnen, ob das wirklich so ist, kann man nicht: Dazu bräuchte man eine Angabe über entweder die prozentuale Menge Eierschale pro kg des Futters oder aber eine Angabe zum Gesamtcalciumgehalt.

Seealge würde mir da grössere Sorgen machen, weil Jod möglichst passgenau zugefügt werden sollte und hier keine Angabe zur der im Futter enthaltenen prozentualen Menge vorliegt. Und eigentlich bräuchte man dann noch die Angabe, wieviel mcg Jod pro Kilo Seealgenmehl in der verwendeten Charge enthalten ist. Evtl. bekommt man die Angaben vom Hersteller direkt, da müsste man dann nachfragen.

Das Verhältnis 55:36:9 (Fleischiges / Gemüse & Obst / sonstige Bestandteile) ist auch nichts, was direkt schadet, ideal finde ich es nicht, weil ein recht hoher Anteil des Fleischigem aus Herz / Leber besteht. Die Gehalte bei Rohfaser / Rohasche sind recht hoch, das ist alleine über die Zusammensetzung nicht ganz einwandfrei erkennbar, woher das kommt. Zum Teil vermutlich durch die nicht näher aufgeschlüsselten “Mineralstoffe” in der Zusammensetzung. Protein ist recht niedrig für ein Hundefutter, aber da kann man drüber streiten.

Die sonstigen ernährungsphysiologischen Zusatzstoffe liegen etwas höher als bei den typischen Standard-Hundefuttersorten. Das kann auch mit dem eher geringen Fleischanteil zu tun haben. D3 dürfte gedeckt sein, Kupferabdeckung dürfte ebenfalls recht passend sein, bei Zink müsste man genauer rechnen.

Der Punkt ist hier aber: Wenn man keine Angaben zu bestimmten Nährstoffen hat, kann man nichts errechnen. Da kann man die Bedarfswerte haben und damit auch jonglieren, aber das bringt einem nicht immer weiter. Fertigfutter ist immer ein Kompromiss und man muss damit leben können, dass man in mehr oder weniger Punkten einfach dem Hersteller vertrauen muss. Kann man das nicht, weil man mehr Kontrolle möchte (oder braucht), ist Fertigfutter kein Weg, der einen langfristig glücklich machen wird.

Deswegen ist Pimpen auch keine Maßarbeit im Sinne von “Versorgungslücken gezielt füllen”. Sondern es geht darum, die Ration als Gesamtes aufzuwerten, ohne die Gefahr, überzudosieren und Abwechslung zu schaffen.