17. Dezember 2020 um 16:30

Kräuter: Sinnvoll oder nicht?

Sind spezielle Kräutermischungen in der Fütterung bei gesunden Katzen sinnvoll?

Darüber findet man als Katzenhalter leider widersprüchliche Aussagen.

Manche sagen, dass man durch Kräuter das Futter mit Enzymen anreichern kann. Andere, dass man die 5% pflanzlichen Anteil in der Nahrung gut durch Kräuter abdecken kann (Kräuter stellen eine gute Quelle für sekundäre Pflanzenstoffe da), und dann gibt es kritische Stimmen.

Herrmann’s vertreibt zum Beispiel “Bio Kräuter” für Katze. Darin enthalten sind:
Bio-Knotentang
Bio-Kokos
Bio-Malzhefe
Bio-Chlorella
Bio-Katzenminze
Bio-Moringa
Bio-Gerstengras
Bio-Kamille
Bio-Hagebutte
Bio-Ananas

Es soll bei einer gesunde Ernährung bzw. Basisversorgung unterstützen.

Was meint ihr zu solchen speziellen Katzenkräutern?

  • Ute

    7. Januar 2021 um 14:57

    Man sollte nie Kräuter bei Katzen anwenden, bei denen man nicht wirklich 100%tig die enthaltenen Wirkstoffe und deren Stoffwechselweg einschätzen kann. Die Frage dahinter ist doch: Kann man auch etwas anderes anwenden, von dem man sicher sagen kann, dass es nicht schadet? Das kann man in den allermeisten Fällen bejahen. Es gibt keinen Grund, Kräuter bei Katzen “einfach so” einzusetzen. Katzenminze lasse ich jetzt mal außen vor.

    Das oben genannte Produkt wirft gleich mehrere Probleme auf:

    1. Kräuter, die Katzen nicht benötigen. Was sollen Katzen mit Ananas tun? Oder Moringa? Sie sind strikte Carnivoren und werden weder die pflanzlichen Enzyme aus der Ananas vollständig nutzen können noch die Inhaltsstoffe des Moringa. Lieber gezielt einen Ballaststoffanteil zufüttern und die Fütterung gut zusammensetzen = ausreichend nährstoffreiche Fütterung.

    2. Undefinierter Gehalt an Seealge (Knotentang) und damit keine Angabe darüber, wieviel Jod enthalten ist. Gerade bei Katzen, die eher eine Tendenz zur Schilddrüsenüberfunktion haben, ganz schlecht.

    Bitte solche Produkte immer auf Sinnhaftigkeit überprüfen. Dabei helfen zwei einfache Fragen: Was kann es nutzen, d.h., ist dort irgendetwas enthalten, was in der Fütterung fehlt? Und zweitens: Ist etwas drin, was schaden kann?

    Die erste Frage kann man hier mit “jein” beantworten => Jod wird benötigt, aber auf keinen Fall nach dem Gießkannenprinzip, sondern passgenau bezogen auf die Futtermenge. Der Rest im Produkt hat für Katzen schlichtweg keinen Nutzen bzw. sollte nur bei Bedarf zugefüttert werden (z.B. Chlorella).
    Beim zweiten: Ja, es kann schaden, nämlich durch den undefinierten Gehalt an Knotentang und damit an Jod. Hat man Pech, ist der Gehalt hoch, hat man schon anderweitig Jod in der Fütterung, ist man schnell jenseits von Gut und Böse. Es ist bei Katzen nicht gesichert, inwieweit Jod als Auslöser für Schilddrüsenerkrankungen einen Anteil hat, aber man geht stark davon aus, dass zu hohe Joddosierungen sowohl als Auslöser in Frage kommen, genauso wie moderate Joddosierungen helfen, eine SDÜ in den Griff zu bekommen.
    Studien dazu z.B. hier https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30859084/ oder hier https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23439761/.

    Bei Katzen ist weniger mehr und die Grundlagen zur Versorgung sollten immer zunächst in der Fütterung liegen. Alles, was dann tatsächlich an Nährstoffen fehlt, muss man passgenau ergänzen.

  • Sakura Sattler

    8. Januar 2021 um 13:49

    Danke für die ausführliche Antwort und die Mühe, die du dir damit gemacht hast.
    Das hat mir sehr geholfen.

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